Unternehmensnachfolge: Warum die Übergabe früh vorbereitet gehört
Die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt lautet: Jahre vorher. Der Grund ist nicht Bedächtigkeit, sondern Mechanik. Viele steuerliche Begünstigungen sind an Zeiträume und an Bedingungen geknüpft, die vorher hergestellt werden müssen. Und ein Unternehmen, das ohne seinen Inhaber nicht funktioniert, ist schwer zu übergeben, unabhängig von der Steuer.
Die Wege der Übergabe
Es gibt mehrere Grundformen, und sie unterscheiden sich stark. Der Verkauf an einen Dritten oder an Mitarbeiter, die Übertragung innerhalb der Familie, ganz oder in Schritten, die Aufnahme eines Nachfolgers als Beteiligten mit späterem Aufwuchs, die Verpachtung des Betriebs statt der Veräußerung, und in letzter Konsequenz die Aufgabe. Jeder dieser Wege hat eine eigene steuerliche Logik. Was beim Verkauf sinnvoll ist, kann in der Familie falsch sein.
Ein Punkt, der alle Wege verbindet: Stille Reserven, die über Jahre gewachsen sind, kommen bei der Übertragung ans Licht. Ob und wann sie zu versteuern sind, hängt vom gewählten Weg ab. Deshalb ist die Reihenfolge der Schritte oft wichtiger als der einzelne Schritt.
Was Vorlauf braucht
- Bereinigung des Unternehmens von Vermögen, das nicht mitgehen soll, etwa Immobilien
- Trennung von privaten und betrieblichen Sphären, die über Jahre verschwommen sind
- Aufbau einer zweiten Führungsebene, damit das Unternehmen ohne den Inhaber läuft
- Herstellung von Bedingungen für Begünstigungen, die an Fristen oder an Beschäftigung geknüpft sind
- Ordnung bei Verträgen, Genehmigungen, Rechten, damit ein Käufer weiß, was er erwirbt
- Abstimmung mit dem Testament und mit güterrechtlichen Fragen
Der Faktor Mensch
Der häufigste Grund für gescheiterte Nachfolgen ist nicht steuerlicher Natur. Es ist die fehlende Klärung im Kreis der Beteiligten: Wer will überhaupt? Wer soll? Was passiert mit den Geschwistern, die nicht übernehmen? Wovon lebt der Übergeber danach? Diese Fragen sind unangenehm, und sie werden gern verschoben. Sie sind aber die Voraussetzung für jede Gestaltung, denn ohne Zielbild lässt sich kein Weg berechnen.
Zur Versorgung des Übergebers gibt es verschiedene Modelle: eine Zahlung auf einmal, wiederkehrende Leistungen, Beteiligung an künftigen Ergebnissen, Rückbehalt von Vermögen und Verpachtung. Diese Modelle werden steuerlich unterschiedlich behandelt, sowohl beim Übergeber als auch beim Übernehmer. Und die Interessen sind gegenläufig: Was der eine als Aufwand geltend machen will, muss der andere versteuern.
Wer beteiligt sein sollte
Eine Nachfolge ist selten ein Fall für eine einzelne Disziplin. In der Regel arbeiten Steuerberatung, rechtliche Beratung und, je nach Größe, eine Bewertung zusammen. Die Kanzlei kennt die Zahlen und die Historie und ist deshalb häufig der natürliche Ausgangspunkt, aber Gesellschaftsvertrag, Kaufvertrag, Testament und Eheverträge gehören in rechtliche Hände. Wichtig ist, dass die Beteiligten miteinander sprechen, denn ein steueroptimales Modell, das der Gesellschaftsvertrag nicht zulässt, hilft nicht.
Was Sie jetzt tun können
Auch wenn die Übergabe fern ist, gibt es Schritte ohne Nachteil: Trennen Sie privat und betrieblich konsequent. Halten Sie Verträge schriftlich und aktuell. Sorgen Sie dafür, dass Wissen dokumentiert ist und nicht nur in Ihrem Kopf. Und regeln Sie den Notfall, also den Fall, dass Sie unerwartet ausfallen. Eine Nachfolge, die geplant ist, kann man verschieben. Eine, die ungeplant eintritt, kann man nur noch abwickeln.
Ein Punkt sorgt zuverlässig für Enttäuschung: der Wert. Übergeber schätzen ihr Lebenswerk fast immer höher ein als der Markt. Das ist menschlich, aber es blockiert Verhandlungen. Ein Unternehmen ist nicht wert, was hineingeflossen ist, sondern was es künftig erwirtschaften kann, und zwar ohne Sie. Genau daran scheitert es häufig: Wenn Kundenbeziehungen, Wissen und Entscheidungen an einer Person hängen, sinkt der Wert für jeden Nachfolger, weil er nicht kauft, was er braucht.
Daraus folgt die vielleicht wichtigste Vorbereitung überhaupt, und sie ist nicht steuerlicher Natur: sich selbst entbehrlich machen. Wissen dokumentieren, Beziehungen auf mehrere Schultern verteilen, eine zweite Ebene aufbauen, Prozesse so gestalten, dass sie ohne Sie funktionieren. Jedes Jahr, das Sie darin investieren, erhöht den Wert und erweitert den Kreis möglicher Nachfolger.
Kalkulieren Sie außerdem die Zeit für die Suche. Eine passende Nachfolge zu finden, dauert oft länger als alle rechtlichen und steuerlichen Schritte zusammen, besonders wenn innerhalb der Familie niemand bereitsteht. Wer zu spät beginnt, verhandelt aus einer Position der Not, und das ist die teuerste Position von allen.
Fazit
Beginnen Sie früh, klären Sie zuerst das Zielbild im Kreis der Beteiligten, und lassen Sie danach den Weg gestalten. Machen Sie das Unternehmen übergabefähig, bereinigen Sie, was nicht mitgehen soll, und regeln Sie den Notfall unabhängig davon. Wer Jahre Vorlauf hat, hat Optionen. Wer Monate hat, hat nur noch Abwicklung.