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Steuerberater auswählen: Woran Sie eine passende Kanzlei erkennen

Die passende Kanzlei ist nicht die größte oder die bekannteste, sondern die, die zu Ihrer Situation passt. Entscheidend sind drei Dinge: Erfahrung mit Mandaten wie Ihrem, eine Arbeitsweise, die zu Ihrem Alltag passt, und die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass Sie danach entscheiden können. Alles andere ist nachrangig.

Passung schlägt Größe

Steuerrecht ist breit. Eine Kanzlei, die überwiegend Handwerksbetriebe betreut, arbeitet anders als eine, die sich auf Freiberufler, auf Vermietung oder auf international tätige Unternehmen konzentriert hat. Fragen Sie deshalb konkret nach: Betreuen Sie regelmäßig Mandate mit meiner Konstellation? Wer bearbeitet meinen Fall im Alltag? Eine ehrliche Antwort kann auch lauten, dass ein Sachverhalt außerhalb des Schwerpunkts liegt. Diese Offenheit ist ein gutes Zeichen, kein schlechtes.

Die Kanzleigröße sagt für sich genommen wenig. Kleine Einheiten bieten oft kurze Wege und einen festen Ansprechpartner, größere haben mehr Spezialwissen im Haus und sind bei Urlaub oder Krankheit weniger verletzlich. Beides kann richtig sein. Wichtig ist, dass die Struktur zu Ihrem Bedarf passt und Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben.

Woran Sie Qualität im Gespräch erkennen

Qualität zeigt sich selten in Fachbegriffen, sondern im Gegenteil: Ein guter Berater übersetzt. Achten Sie darauf, ob Ihnen die Konsequenzen einer Entscheidung erklärt werden und nicht nur das Ergebnis. Achten Sie auch darauf, ob Rückfragen zu Ihrem Geschäft gestellt werden. Wer nur nach Unterlagen fragt, aber nicht danach, wie Sie eigentlich arbeiten, wird Ihre Situation kaum treffend einordnen.

  • Werden Ihnen Alternativen genannt und nicht nur ein Weg?
  • Wird offen gesagt, wo Unsicherheit besteht oder eine Klärung nötig ist?
  • Wird der Leistungsumfang beschrieben, oder bleibt er vage?
  • Bekommen Sie eine Vorstellung davon, was Sie selbst beitragen müssen?

Der Leistungsumfang gehört geklärt

Viele spätere Enttäuschungen entstehen, weil unausgesprochen blieb, was dazugehört. Steuererklärung, Buchführung, Lohnabrechnung, Jahresabschluss, laufende Beratung bei Fragen zwischendurch: Das sind verschiedene Leistungen, und sie werden nicht automatisch zusammen beauftragt. Klären Sie vorab, was übernommen wird, was Sie selbst liefern und was gesondert vereinbart werden müsste. Auch Erreichbarkeit gehört dazu, also die Frage, ob eine kurze Zwischenfrage im Rahmen bleibt oder eine eigene Leistung ist.

Zur Vergütung gilt: Für viele Tätigkeiten gibt eine Gebührenverordnung einen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Abrechnung bewegt. Das bedeutet, dass Angebote nicht beliebig sind, aber auch, dass sie sich unterscheiden können, je nach Umfang und Aufwand. Lassen Sie sich erklären, welche Faktoren die Abrechnung bei Ihnen treiben, statt nur nach einer Zahl zu fragen.

Formale Punkte, die Sie prüfen können

Die Berufsbezeichnung ist geschützt. Wer sie führt, ist bei der zuständigen Steuerberaterkammer registriert, und dort lässt sich die Bestellung auch überprüfen. Das ist ein einfacher, oft übersehener Schritt. Ebenso selbstverständlich sollten Berufshaftpflichtschutz und die Einhaltung der Verschwiegenheitspflicht sein. Fragen Sie im Zweifel danach, das ist üblich und wird niemanden befremden.

Ein weiterer praktischer Punkt ist die Arbeitsweise: Wie werden Belege übergeben, welche Software wird eingesetzt, funktioniert der Austausch digital oder erwartet die Kanzlei Papier? Wenn Ihr Alltag digital läuft und die Kanzlei das nicht abbildet, wird die Zusammenarbeit mühsam, unabhängig von der fachlichen Qualität.

Auf Warnzeichen achten

Vorsicht ist geboten, wenn Ergebnisse versprochen werden, bevor der Sachverhalt bekannt ist. Seriöse Beratung beginnt mit Fragen, nicht mit Zusagen. Skeptisch sollten Sie auch werden, wenn Ihnen der Eindruck vermittelt wird, es gebe für alles einen Trick. Steuerliche Gestaltung ist möglich und legitim, aber sie folgt Regeln und braucht Begründung. Ebenfalls kritisch: Wenn niemand bereit ist, den Umfang der Leistung schriftlich zu fassen.

Bleibt die Frage, wie Sie überhaupt zu Kandidaten kommen. Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis sind der häufigste Weg und zugleich der am meisten überschätzte. Wer zufrieden ist, ist es mit Blick auf die eigene Situation, und die kann von Ihrer weit entfernt liegen. Nützlich wird eine Empfehlung erst, wenn Sie nachfragen: Was genau lässt Sie dort betreuen, wie lange schon, und was hat man dort für Sie getan? Aussagekräftiger sind Empfehlungen aus Ihrer eigenen Branche, weil dort die Konstellationen ähneln.

Online-Bewertungen tragen bei diesem Beruf wenig. Sie bilden meist Freundlichkeit und Erreichbarkeit ab, also das Sichtbare, und nicht die fachliche Arbeit, die man als Mandant kaum beurteilen kann. Ein knapper, sachlicher Auftritt sagt ebenfalls nichts über Qualität. Verlassen Sie sich stattdessen auf das Gespräch, denn dort zeigt sich, ob jemand Ihre Fragen versteht.

Rechnen Sie damit, dass die Prüfung in beide Richtungen läuft. Kanzleien sind vielerorts ausgelastet und nehmen nicht jedes Mandat an. Eine Absage ist kein Urteil über Sie, sondern meist eine Frage von Kapazität oder Schwerpunkt. Fragen Sie in diesem Fall nach einer Empfehlung, denn im Berufsstand kennt man einander.

Fazit

Nehmen Sie sich Zeit für die Auswahl, denn ein Mandat ist auf Dauer angelegt. Prüfen Sie die Bestellung, klären Sie den Leistungsumfang, achten Sie darauf, ob Ihnen wirklich erklärt wird, worum es geht, und ob die Arbeitsweise zu Ihrer passt. Wenn Sie nach dem Erstgespräch das Gefühl haben, mehr zu verstehen als vorher, ist das ein gutes Zeichen.

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